Kirchensplitter
Frühlingshafter Herbst
«Es ist lange her, dass wir noch Hoffnung hatten. […] Wir sind ein schwindendes Volk, ein frühlingsloser Herbst.» Dieser Satz gehört zu den bewegendsten Zeilen aus «Der Herr der Ringe», weil er das Gefühl der Hoffnungslosigkeit so schmerzhaft auf den Punkt bringt. Angesichts der Übermacht des Bösen schwindet bei den Menschen in dieser Geschichte jede Hoffnung auf eine Wende zum Guten. Wie ein Herbst, dem kein Frühling folgt.
Auch unsere Zeit erlebt Situationen, in denen alle Hoffnung verloren scheint. Beziehungsabbrüche, berufliche Krisen sowie andere Herausforderungen können ein Gefühl der Leere auslösen. Etwas stirbt ab oder geht verloren ohne die Aussicht, dass es jemals wieder in Ordnung kommen kann - ein frühlingsloser Herbst. Doch gerade die Jahreszeiten lehren uns, dass es nicht immer Herbst oder Winter bleibt, sondern die Tage wieder länger werden. Mit dem ersten Spriessen kündet sich der neue Frühling an. Auch in «Der Herr der Ringe» wendet sich das Blatt wieder.
Christus selbst hat den tiefsten Herbst und den dunkelsten Winter durchlebt - bis hin zu seinem Tod. Doch auch dieser Winter währte nicht ewig. In der Auferstehung wird das Aufkeimen neuen Lebens gezeigt. Gott ist diesen Weg gegangen, damit unser Herbst im Leben und im Sterben nicht frühlingslos bleibt, sondern voller Hoffnung sein kann. Und gerade dann, wenn uns das Leben wie ein endloser Herbst oder ein ewiger Winter scheint, dürfen wir uns erinnern, dass Christus in jeder Jahreszeit bei uns ist.
Autor: Linus Walder | Datum: 27.10.2026